dbb magazin 1-2/2026

akte nehmen zu.“ Oft bekomme sie zu hören, eine vollständige Eindeckung mit Notmaterialien sei illusorisch. Dem entgegne sie: „Wir müssen viel pragmatischer mit Notsituationen umgehen. Es müssen nicht alle alles dahaben. Die Nachbarschaft ist solidarisch, man kann sich gegenseitig helfen.“ Das habe bereits die Coronapandemie gezeigt. Was das Vertrauen in staatliches Handeln betreffe, sehe sie eine hohe Verantwortung bei der Presse. „Wenn es doch nicht so schlimm kommt wie erwartet, werden direkt Maßnahmen infrage gestellt und schlechtgeredet. Wenn eine Entscheidung getroffen wird, dann ist das zum Schutz und zur Sicherheit der Menschen. Wenn dann von bestimmten politischen Kräften behauptet wird, das THW könne nicht genug Generatoren bereitstellen, weil die alle in der Ukraine sind, dann sind das Fake News. Da bitte ich die Leute, auf seriöse Nachrichtenkanäle zurückzugreifen.“ Dennoch habe sie weiterhin ein positives Menschenbild: „Wir sehen, dass sich Menschen im Angesicht großer Katastrophen an der Hilfe beteiligen wollen. Beim THW verzeichnen wir Zulauf. Alles Ehrenamt ist aller Ehren wert.“ Andris Gobins, Präsident der Europäischen Bewegung Lettland und Mitglied des EWSA, brachte die lettische Perspektive ein: „Bei uns ist vieles einfacher, weil die Motivation höher ist und wir vielleicht auch trainierter sind. Wir wissen, wie es ist, in Unfreiheit zu leben. Wir haben Krisen durchlebt. Stichwort Gas als Waffe – ohne Heizung zu leben, kennen wir schon. Und auch staatliche Unfähigkeit, sodass wir im Falle eines Blackouts selbst handeln müssen, das kennen wir auch.“ Es gebe in Lettland mittlerweile mehr als 70 Organisationen, die mit der Zivilbevölkerung für den Ernstfall üben. „Wir haben Krisenvorbereitung schon 2015 simuliert. Durch unsere Teilnahme an Übungen haben wir wesentliche Fehler entdeckt, die sonst nicht entdeckt worden wären. Dabei hat sich Kommunikation als wesentlicher Faktor herausgestellt. Menschen bekommen in Krisensituationen viele Fake News. Die Zivilgesellschaft spielt daher auch eine wichtige Rolle in der Information.“ Es gebe seit Neuestem eine Resilienzwoche, die in Ministerien und Schulen positiv aufgenommen wurde – vor allem in der Nähe der russischen Grenze. „Wenn man sich vor dem Kriegsfall wappnet, steigt nicht die Angst vor dem Krieg, sondern sie sinkt. Wenn es hart auf hart kommt, weiß ich, was ich tun kann und zu tun habe.“ Heini Schmitt, Fachvorstand Beamtenpolitik und stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, resümierte, dass die auf der Jahrestagung geführten Gespräche und Debatten den Alltag in der Gewerkschaft weiter begleiten werden. Die gelieferten Impulse „sind Ansporn, unseren Einsatz entschlossen fortzusetzen und spürbare Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen durchzusetzen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen und damit das Fundament unseres Gemeinwesens sichern“, sagte Schmitt, der allen, die die Jahrestagung organisiert und durch ihre Anwesenheit mitgestaltet haben, seinen Dank aussprach. Im kommenden Jahr wird die Jahrestagung nicht mehr in Köln, sondern in Berlin stattfinden. Schmitt: „Köln war ein toller Ort für unsere Jahrestagung. Wir werden die Domstadt und die rheinische Gastfreundschaft in sehr guter Erinnerung behalten.“ br, cdi, dsc, ef Heini Schmitt Andris Gobins Michael Ebling FOKUS 21 dbb magazin | Januar/Februar 2026

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