Am Frankfurter Flughafen haben die Kolleginnen und Kollegen des Zolls 2024 nicht nur mehr als zehn Tonnen Drogen, über eine Million gefälschte Produkte, 910 illegal importierte Pflanzen und 35 lebende Tiere – darunter 17 Kaiserskorpione – sichergestellt. Die größte Herausforderung ist aktuell der globale E‑Commerce. Die Zahl der allein aus China in die EU strömenden Päckchen unterhalb der Zollfreigrenze von 150 Euro hat sich im vergangenen Jahr von 1,9 auf 4,2 Milliarden mehr als verdoppelt. In Frankfurt am Main sind das 600 000 Pakete pro Tag. Und das ist erst der Anfang: Die Europäische Union plant, ab 1. Juli 2026 zunächst eine pauschale Zollabgabe von 3 Euro pro Sendung einzuführen. Diese Abgabe gilt für alle Pakete, die aus Drittländern direkt an Verbraucher in der EU versandt werden. Später soll die Zollbefreiungsgrenze von 150 Euro ganz wegfallen. Zusätzlich wird auf europäischer Ebene über die Einführung einer Bearbeitungsgebühr („Handling Fee“) diskutiert. Aber: Viele der technischen und rechtlichen Voraussetzungen, die für ein funktionierendes System notwendig wären, befinden sich erst noch im Aufbau. Wie also soll der Zoll das leisten? In Frankfurt kam es bereits 2024 zu massiven Steigerungen der Importmenge im E-Commerce. Im März 2025 erhöhte sich dann die Zahl der Positionen noch einmal um mehr als 18 Prozent auf insgesamt 31,8 Millionen. Grund der Steigerung ist vor allem eine Verlagerung von Importen über die chinesischen Onlineplattformen Temu und Shein aus dem USA-Geschäft nach Europa. Beim Briefing durch die Kolleginnen und Kollegen vom Zollamt Frankfurt-Flughafen wird schnell deutlich, vor welche Probleme diese Paketflut die Beamten stellt. Entscheidend für den Erfolg der Kontrollen ist die effiziente Risikoanalyse. 13 Mitarbeitende ermitteln Kriterien, um verdächtige, besonders gefährliche oder riskante Sendungsinhalte zu definieren, und erstellen ein Raster, nach dem die Waren kontrolliert werden. „Anders ist der Auswuchs nicht zu stemmen“, erklärt Christina Weinand, die Leiterin der Risikoanalyse. Thomas Liebel vom BDZ Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft ergänzt, dass gerade auch die Risikoanalyse von der dringend notwendigen weiteren Digitalisierung und Automatisierung, etwa beim Scannen der Paketflut, profitieren würde. Wachsender Frachtumschlag ist für die Fraport AG von großem wirtschaftlichen Interesse. Wird ein effizient kontrollierender deutscher Zoll dann nicht abschreckend auf E-Commerce-Anbieter wirdbb-Chef besucht Zoll auf dem Frankfurter Flughafen 600 000 Pakete pro Tag Im silbernen Dienst-Minivan geht die Fahrt direkt über das Flugfeld zum Gebäude 537 des Zollamtes Frankfurt am Main – Flughafen. Die Vorsitzenden von dbb und BDZ, Volker Geyer und Thomas Liebel, sind auf Informationstour in der CargoCity Süd am größten Luftfrachtumschlagplatz Europas. Thomas Liebel fordert stärkeren Einsatz von KI und Digitalisierung, um der Paketflut Herr zu werden. Links im Bild: Volker Geyer und Armin Rolfink, Präsident der Generalzolldirektion. VOR ORT © Fraport AG/Stefan Rebscher 28 INTERN dbb magazin | Januar/Februar 2026
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