dbb magazin 1-2/2026

Strukturen ablehnt oder schwächt, trägt nicht zur Sicherheit dieses Landes bei.“ Sie betonte: „Wir stehen vor großen Aufgaben. Jetzt liegt es an uns, diese Herausforderungen entschlossen anzugehen. Wir kriegen das hin.“ Jasper Wieck bewertete den Inhalt des neuen Strategiepapiers der USA in diesem Kontext als nicht überraschend: „Die USA sehen eine große Herausforderung auf sich zukommen. Und die heißt nicht Russland, sondern China. Europa soll sich allein gegen Russland verteidigen und den USA den Rücken für ihren Konflikt mit China freihalten. Die Amerikaner sagen Europa gewissermaßen: ‚Get your act together.‘“ Die Annahme der USA, es mit isolierten Konflikten zu tun zu haben, sei aber falsch: „Wir müssen ihnen klarmachen: Die Schauplätze werden zusammenwachsen, Russland wird sich einmischen. Wir sind daher gut beraten, uns mit den USA zusammenzusetzen.“ Wer untätig bleibe, werde zum Spielball der Machtpolitik. Für die Zukunft zeigte sich der Ministerialdirektor jedoch optimistisch: „Wir sind in vielerlei Hinsicht reifer geworden. Ich sehe Deutschland auf einem guten Weg, die Verteidigung zu stärken.“ Die EU schaffe schon jetzt Möglichkeiten, ihre Streitkräfte gemeinsam zu entwickeln. Allerdings gehe es um Effizienzsteigerung ohne Duplizierung. „Langfristig brauchen wir eine Vision, die nicht in einer Rüstungsspirale endet. Aufrüsten allein darf nicht unsere Zukunft werden. Die Logik der kooperativen Zusammenarbeit muss irgendwann wieder zurückkommen.“ „Entscheidungen, die Europa betreffen, müssen von Europa und für Europa getroffen werden“, verdeutlichte Benjamin Hartmann, Experte im Kabinett des EU-Verteidigungskommissars Andrius Kubilius, mit Blick auf die Gespräche zwischen Washington und Moskau. „Unsere finanziellen Aufwendungen in der EU sind beträchtlich. Wir haben eigentlich allen Grund zur Stärke.“ Die EU habe bereits verschiedene Strategiepapiere zur Verteidigung der Zukunft veröffentlicht. Darin gehe es unter anderem um äußere Sicherheit, Cyberabwehr, Preparedness der Zivilbevölkerung und einen Schutzschild für die Demokratie. Denn: „Die hybriden Attacken der vergangenen Monate sind nichts anderes als Angriffe auf unseren politischen Willen, uns zu verteidigen.“ Da die Angriffe auf europäische Infrastruktur koordiniert erscheinen, müssten für eine erfolgreiche Verteidigung auch verschiedene Bereiche zusammengedacht werden: „Wir sind gut beraten, ein gemeinsames Lagebild auf EU-Ebene zu erstellen“, schlug Hartmann vor. „Wir brauchen mehr Vernetzung und den Austausch von Best-Practice-Anwendungen.“ Denkbar seien auch Formate mit kleinen Gruppen von Mitgliedstaaten, die je nach Thema in unterschiedlicher Zusammensetzung vorangehen. Ein großes Problem der EU sei die mangelnde Geschwindigkeit. Hartmann appellierte daher: „Geschwindigkeit ist keine Zeitleiste, sie ist eine Verteidigungskapazität.“ Claudia Major, Senior Vice President für Transatlantische Sicherheitsinitiativen des German Marshall Fund, nahm dezidiert Stellung zur Anfang Dezember veröffentlichten neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA: „Das sind die Scheidungspapiere. Das Konzept kodifiziert, was die USA nach Trumps Amtsantritt gesagt und getan haben.“ Es trage Züge von Herablassung gegenüber Europa und zeige, was Trump mit „Western Hemisphere“ meine: die USA selbst. „Unsere Lebensversicherung – die NATO – ist nicht mehr garantiert“, schlussfolgerte Major, die Mentalität in Europa müsse sich wandeln und auf Selbstverteidigung setzen. „Und das muss schneller gehen“, so Major. Gleichzeitig zeigte sie sich von der guten Organisation des weltweit größten Sicherheitsbündnisses NATO überzeugt. Auf EU-Ebene müsse jedoch die Kooperationsfähigkeit bei Forschung, Entwicklung, technischer Umsetzung und Rüstungseinkauf verbessert werden. Auch Major nahm zu den zahlreichen hybriden Angriffen auf Europa Stellung, bei denen es darum gehe, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu unterminieren. „Das geht an das Herz der offenen Gesellschaft!“ Anstelle einer Rückkehr zur Wehrpflicht favorisierte Major eine übergreifende Dienstpflicht für alle und unterstrich: „Die Frage ist, wie viel ist mir dieses Leben in einer offenen und demokratischen europäischen Gesellschaft wert?“ In ihrer Videobotschaft unterstrich Andrea Wechsler, Präsidentin der Europa-Union Deutschland und Mitglied des Europäischen Parlaments: „Europa steht an einem Wendepunkt.“ Und weiter: „Unsere Sicherheit können wir nur gemeinsam gewährleisten.“ Gleichzeitig machte sie sich für eine gemeinsame europäische Armee stark. Rainer Hub, Vorsitzender des Sprecher*innenrates des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE), sagte als Mitveranstalter des Abends: „Was wir brauchen, ist eine Allianz der Zuversicht für unser aller Zusammenhalt.“ ada, dsc, ef, wer Benjamin Hartmann Claudia Major INTERN 33 dbb magazin | Januar/Februar 2026

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