Europas Zukunft braucht starke Berufsbildung
Die EU plant eine neue Strategie für die berufliche Aus- und Weiterbildung ab 2026. Die CESI begrüßt das Vorhaben, fordert aber mehr Verbindlichkeit und Investitionen.
Die Europäische Kommission hat für 2026 eine neue europäische Strategie für die berufliche Aus- und Weiterbildung (VET) angekündigt. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken, Fachkräfteengpässe zu bekämpfen und die berufliche Bildung endlich mit der Bedeutung auszustatten, die ihr für Wirtschaft und Gesellschaft zukommt. Die Europäische Union Unabhängiger Gewerkschaften (CESI) begrüßt diese Initiative ausdrücklich – und fordert zugleich eine ambitionierte, verbindliche und ausreichend finanzierte Strategie.
In eine kürzlichen Anhörung der Europäischen Kommission machten CESI-Generalsekretär Klaus Heeger und Stefan Nowatschin, stellvertretender BvLB-Bundesvorsitzender, deutlich: Eine zukunftsfähige Berufsbildung ist ein zentraler Pfeiler des europäischen Sozialmodells und entscheidend für die Bewältigung der grünen und digitalen Transformation sowie für die strategische Resilienz Europas.
Die Herausforderungen sind klar benannt: Europa leidet weiterhin unter erheblichen Fachkräfteengpässen und Qualifikationsmismatches, insbesondere in technischen, digitalen, grünen und Pflegeberufen. Diese Defizite bremsen Innovation, Produktivität und Wachstum.
Gleichzeitig bleibt die berufliche Bildung in vielen Mitgliedstaaten mit einem Imageproblem behaftet. Sie wird häufig noch als ‘zweite Wahl’ gegenüber akademischen Bildungswegen wahrgenommen – trotz hervorragender Arbeitsmarktchancen für Absolventinnen und Absolventen.
Die CESI fordert daher eine Strategie der EU, die gezielt die Attraktivität der Berufsbildung steigert, ihre gesellschaftliche Anerkennung stärkt und flexible Bildungswege zwischen beruflicher und akademischer Bildung ermöglicht.
Ein zentrales Anliegen ist der CESI dabei die Stärkung der Lehrkräfte und Ausbilder im Bereich der beruflichen Bildung. Schon heute bestehen erhebliche Engpässe: Viele VET-Lehrkräfte arbeiten unter schwierigen Bedingungen, mit hoher Arbeitsbelastung, unzureichender Bezahlung und begrenzten Entwicklungsperspektiven.
Stefan Nowatschin unterstrich: „Eine erfolgreiche Berufsbildungsstrategie kann nur mit exzellent ausgebildeten, optimal unterstützten und angemessen entlohnten Lehrkräften gelingen. Dazu gehören bessere Arbeitsbedingungen an beruflichen Schulen, die bis 2030 zu beruflichen Exzellenzzentren -sogenannten Centres of Vocational Excellence in Europa- weiterentwickelt werden müssen. Und dazu gehören auch sichere Beschäftigung, qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, und ein verbesserter Zugang insbesondere zu Fortbildungen in digitalen, KI-bezogenen und nachhaltigkeitsbezogenen Kompetenzen.“
Neben dem Personal sieht die CESI erheblichen Handlungsbedarf bei der Ausstattung der berufsbildenden Schulen. Viele Einrichtungen verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur, um moderne und praxisnahe Ausbildung zu gewährleisten. Sie fordert daher gezielte Investitionen – sowohl in physische Infrastruktur -Werkstätten, Ausrüstung- als auch in digitale Lernumgebungen.
Damit die Strategie Wirkung entfalten kann, braucht es laut CESI klare Umsetzungsmechanismen. Die Europäische Kommission muss die Mitgliedstaaten durch Monitoring und gezielte Förderinstrumente unterstützen.
Die CESI unterstreicht darüber hinaus, dass Sozialpartner eine zentrale Rolle in der Planung und Umsetzung der Strategie spielen müssen, da sie wertvolle Expertise zu Arbeitsbedingungen, Qualifikationsbedarfen und Ausbildungsqualität einbringen können, die für eine erfolgreiche Strategie unverzichtbar ist.
CESI-Generalsekretär Klaus Heeger betont: „Die geplante EU-Strategie für die berufliche Bildung bietet eine wichtige Chance, Europas Fachkräftebasis nachhaltig zu stärken und die Transformation aktiv zu gestalten. Nur mit einem klaren Fokus auf Qualität, ausreichenden Investitionen, starken Sozialpartnern und einer echten Aufwertung der Berufsbildung kann Europa die bestehenden Herausforderungen bewältigen.“

