ONLINE Assistenzsysteme Von der Robotikforschung in den Haushalt Moderne Technik kann Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen Lebensqualität zurückbringen. Richtig durchdacht wird die klassische Smarthome-Steuerung vom Technikspielzeug gut betuchter Nerds zum persönlichen Assistenzsystem, während Erkenntnisse aus der Robotikforschung Einzug in die Prothetik halten. Wer mit Rollstuhl, eingeschränkter Greiffunktion oder einer Sehbehinderung lebt, möchte morgens nicht zuerst nach Schaltern, Fernbedienungen oder dem Handy suchen. Stattdessen öffnet ein Fingertipp auf einen großen Taster am Bett die Rollläden, ein Sprachbefehl schaltet das Licht ein und startet die Kaffeemaschine. Smarthome-Systeme binden Licht, Heizung und Steckdosen in individuell programmierbare Szenarien ein. Von den zurückgewonnenen Handlungsspielräumen profitieren nicht nur Menschen mit altersbedingtem Pflegebedarf und deren Angehörige, sondern auch körperlich Eingeschränkte, die aktiv am Leben teilnehmen möchten. Viele Lösungen stammen ursprünglich aus dem Massenmarkt und können zu maßgeschneiderten Assistenzsystemen kombiniert werden. Andere Innovationen kommen direkt aus der Rehatechnik und finden ihren Weg in den privaten Wohnraum. „Wir wollen Robotik nicht nur in Fabriken sehen, sondern dort, wo sie Menschen konkret unterstützt – im Servicebereich, in der Pflege, in der Mobilität und im Wohnen“, heißt es dazu programmatisch im Aktionsplan Robotikforschung des Bundesforschungsministeriums. Motorik unterstützen, nicht ersetzen Das beginnt beim Aufstehen. Elektrisch verstellbare Betten mit programmierbaren Lieblingspositionen, Kipphilfe und seitlicher Einstiegshöhe unterstützen nicht nur Pflegende, sondern erleichtern den Übergang vom Liegen zum Sitzen für bewegungseingeschränkte Menschen. In Kombination mit elektrisch klappbaren Griffen behalten Nutzerinnen und Nutzer die Kontrolle über ihren Bewegungsablauf. Gerade bei Muskelschwäche oder Lähmungen sind solche „kleinen“ Assistenzfunktionen entscheidend, um ohne fremde Hilfe in den Tag zu starten. Auch das Ankleiden oder der Wechsel vom Bett in den Rollstuhl bleibt für viele ein Kraftakt. Hier kommen neue Generationen von leichten Exoskeletten und motorisierten Orthesen ins Spiel, die Hand-, Schulter- oder Beinbewegungen unterstützen, indem sie Muskelimpulse erkennen und verstärken. Die Technik ist zwar noch teuer und nicht für jede Diagnose geeignet, bietet aber vor allem jüngeren Menschen mit körperlichen Behinderungen die Chance, Transfers und Handgriffe selbst auszuführen. Idealerweise sehen sie möglichst unauffällig aus, sind leicht und lassen sich alltagstauglich unter normaler Kleidung tragen. Assistenz in Küche und Haushalt In der Küche wird deutlich, wie sehr Technik körperliche Grenzen verschieben kann. Arbeitsflächen, Herd und Spüle lassen sich mittlerweile elektrisch in der Höhe verstellen. Wer im Rollstuhl sitzt oder nur einen Arm kräftig nutzen kann, kann so die Positionen wechseln oder sich Geräte näher heranfahren lassen. SensoModel-Foto: Olha Kurinchuk/Colourbox.de 14 FOKUS dbb magazin | Mai 2026
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