dbb magazin 5/2026

Als viertes Merkmal ist Robustheit zu gewährleisten, durch Responsivität der Gestaltung mit verschiedenen Endgeräten und Zugänglichkeit für technische Assistenzsysteme wie Screenreader, mit denen man sich Inhalte vorlesen lassen kann, oder Software zur Braille-Zeilen-Unterstützung. Zu den Standards gehört außerdem eine Barrierefreiheitserklärung, in der öffentliche Stellen über den Stand der Umsetzung auf ihrer Website Auskunft geben. Hinzu kommt ein barrierefreier Feedback-Mechanismus, der es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, Barrieren zu melden, und die Behörden verpflichtet, binnen eines Monats zu reagieren. Bei Nichtumsetzung der Barrierefreiheit können Unterlassungsansprüche oder Schadensersatzforderungen gerichtlich geltend gemacht werden. Die Anforderungen sind also technisch wie inhaltlich komplex. Das gilt erst recht für die Einbindung komplizierter Verwaltungsabläufe, die mit den unterschiedlichsten Formaten und Schnittstellen verknüpft sind. Die Umsetzung ist nach wie vor im Fluss. Praktische Hilfe Bund und Länder haben im Laufe der Jahre ein ganzes Netzwerk an Angeboten aufgebaut, um die öffentliche Verwaltung bei Planung, Projektmanagement, Umsetzung und regelmäßiger Testung der digitalen Barrierefreiheit zu unterstützen. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit berät und schult, sorgt für Netzwerktreffen der Bundesbehörden, offeriert Broschüren, Leitfäden und Checklisten für barrierefreie Komponenten und hält Konferenzen zu neuesten Entwicklungen ab, etwa zum Einsatz von Gebärdensprach-Avataren. Im Zuge einer angestrebten BGG-Reform soll sie um ein Bundeskompetenzzentrum für Leichte Sprache und Deutsche Gebärdensprache erweitert werden. Die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung bietet gezielte Schulungen zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente und digitaler Inhalte an. Unter anderem Bayern, Baden-Württemberg, Bremen oder Hessen haben eigene Kompetenzzentren und Fachstellen zu barrierefreier IT aufgebaut. Bayern etwa veranstaltet eine jährliche Workshop-Reihe für Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung, das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg stellt eine interaktive Mustererklärung zur Barrierefreiheit zur Verfügung, die von öffentlichen Stellen individuell angepasst werden kann. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland prüfen landeseigene Überwachungsstellen regelmäßig den Stand der digitalen Barrierefreiheit und helfen bei der Umsetzung. Außerdem wird voneinander gelernt. Und da passiert auf jeder Ebene viel. Vorreiter in Ländern und Kommunen > Hamburg erkundet mit dem Projekt „Digital barrierefrei. Einfach für alle“ die Integration smarter Tools zur Erstellung barrierefreier Dokumente in enger Zusammenarbeit mit der Überwachungsstelle barrierefreie IT. Der Stadtstaat tüftelt außerdem an einem Redaktionstool für Leichte Sprache. > Bremen beteiligt sich an einem Pilotprojekt, um zu testen, wie sich Texte automatisch mithilfe einer KI-gestützten App in Leichte Sprache übersetzen lassen. > Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland die Barrierefreiheitstests teilweise automatisiert. > Schleswig-Holstein und Berlin stellen einheitliche Designsysteme mit barrierefreien Komponenten bereit, um Landes- und Kommunalbehörden die Umsetzung zu erleichtern. > Die Plenarsitzungen des Thüringer Landtags werden seit 2024 mit Live-Untertitelung übertragen und bei Bedarf auch in Gebärdensprache übersetzt. Broschüren und Videos der Landesregierung sind in Leichter Sprache sowie mit Untertiteln verfügbar. > Sachsen bietet barrierefreie Hochschulportale. Alle Websites und Lernplattformen der sächsischen Hochschulen sind einschließlich sämtlicher PDF-Dokumente und Videos barrierefrei gestaltet. Studierende mit Einschränkungen erhalten spezielle digitale Assistenztools. > Frankfurt am Main zählt zu den ersten Kommunen, die eine vollständig barrierefreie E-Akte eingeführt haben. Alle digitalen Verwaltungsvorgänge lassen sich ohne Medienbrüche und barrierefrei nutzen. Und die Liste könnte fortgesetzt werden. Vorbildliches Abensberg Das niederbayerische Abensberg im Landkreis Kelheim hat sich Barrierefreiheit schon lange auf die Fahnen geschrieben. Die Kleinstadt ist für ihre Maßnahmen im baulichen Umfeld mehrfach ausgezeichnet worden, und auch der Internetauftritt www.abensberg.de kann sich sehen lassen. Er ist glasklar und kontrastreich strukturiert, skalierbar und responsiv, und wo man Hilfen bekommt, ist auf einen Blick ersichtlich. Auf der Hauptseite wie auf allen Unterseiten laufen am rechten Bildrand zwei Buttons mit: Klickt man auf den mit dem Männchen, kann man weitere Sehhilfen einstellen. Klickt man auf den mit dem Buch, kann man sich die Inhalte vorlesen lassen. In der obersten Menüzeile jeder Seite finden sich außerdem die Überschriften „Leichte Sprache“ und „Barrierefreiheit“. Klickt man auf „Leichte Sprache“, wird man automatisch zu allen so formulierten Inhalten geführt. Unter „Barrierefreiheit“ gibt es eindeutig formulierte Informationen zur Handhabung der entsprechenden Tools sowie die Barrierefreiheitserklärung zum Stand der Umsetzung. Die ist zwar auch hier noch nicht zu hundert Prozent erreicht, denn digitale Barrierefreiheit ist erst einmal aufwendig. Aber letztlich, so zeigt sich, profitieren wir alle davon. Andrea Böltken Website der Gemeinde Abensberg mit vorbildlichem Bedienungshilfen-Menü. FOKUS 19 dbb magazin | Mai 2026

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