dbb magazin 5/2026

REPORTAGE Barrierefreiheit für den Arbeitsmarkt Ja zur Inklusion, aber nicht um jeden Preis Blindheit, Einschränkungen bei Gehör und Mobilität, psychische Störungen – der Arbeitsmarkt muss Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen gewährleisten. Dabei unterstützt die Bundesagentur für Arbeit. Es geht immer auch darum, Barrieren im Kopf zu beseitigen. Alwin Schuler steht an einer Kreuzung und wartet auf einen Bekannten. Plötzlich kommt ein Passant, greift nach seinem Arm und will ihn über die Kreuzung ziehen. „Das war gut gemeint, aber in dem Fall wollte ich gar nicht auf die andere Seite“, erinnert er sich. Es gebe Menschen, die drängen sich auf. Das ist das eine Extrem. Das andere ist, dass niemand hilft. Im Umgang mit Sehbehinderungen besteht viel Unsicherheit. „Sie haben mich sicher an der Stimme erkannt“ oder „Sie zählen bestimmt die Schritte, um ans Ziel zu kommen“ – Vorurteile wie diese sind verbreitet. Dabei bringt es die Betroffenen nicht ans Ziel, die Schritte zu zählen. Viel wichtiger ist es, auf die Umgebung zu achten. Denn Baustellen, die am Vortag noch nicht dort waren, oder herumstehende E-Scooter können schnell zu Stolperfallen werden. Zudem vermuten viele, das berufliche Potenzial von Menschen mit Behinderungen sei schnell ausgeschöpft. Dem ist mitnichten so. Schuler: „Es geht wesentlich mehr als Körbe flechten!“ Alwin Schuler gilt seit seiner Geburt vor dem Gesetz als blind. „Ganz wenig sehe ich noch, das erleichtert mir die Orientierung im Alltag ein bisschen“, erzählt der 49-Jährige, der aus dem Kreis Günzburg zwischen Ulm und Augsburg stammt. Er arbeitet seit 30 Jahren für die Bundesagentur für Arbeit (BA) Ulm. Eingestiegen ist er in den Neunzigern als Telefonist, bereits damals hat die Behörde viele Menschen mit Sehbehinderungen eingestellt. Deren Aufgabe: eingehende Telefonate an die zuständigen Stellen weitervermitteln. Diesen Job gibt es seit 2005 nicht mehr. Wer anruft, landet seitdem im Servicecenter und erhält direkt von der Person, die das Gespräch annimmt, die gewünschte Auskunft. Das ist zumindest der Idealfall. Schuler hat sich weitergebildet und die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsförderung gemacht. In seiner aktuellen Funktion berät er Arbeitgebende. Wie gelingt die Personalgewinnung? Wie lassen sich Mitarbeitende so qualifizieren, damit sie 20 FOKUS dbb magazin | Mai 2026

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