ihr volles Potenzial ausschöpfen können? Und was ist in Sachen Barrierefreiheit am Arbeitsplatz zu beachten? Dies sind Beispiele für Fragen, zu denen er Stellung bezieht. Eingeschränktes Sehvermögen, eingeschränkte Mobilität, Gehörlosigkeit – die Gesellschaft neigt dazu, Betroffene auf ihre Behinderung zu reduzieren. Schuler arbeitet dafür, dass das nicht mehr passiert und alle am Berufsleben teilhaben können. Was die Barrierefreiheit betrifft, kann er auf der Grundlage von eigenen Alltagserfahrungen sensibilisieren. Mit Hilfsmitteln ins Büro Die Bundesagentur für Arbeit befindet sich in der Ulmer Innenstadt. Schuler muss jeden Morgen mit dem Bus fahren. An der Starthaltestelle fährt nur eine Linie, das macht es einfacher. An größeren Haltestellen oder Verkehrsknotenpunkten kann es mitunter schwierig werden, die Linie zu finden, die in die richtige Richtung fährt. „Manchmal werden die Haltestellen im Bus nicht angesagt“, erzählt der Experte für Arbeitsförderung. Deshalb hat er eine App auf dem Smartphone installiert, die ihm die aktuelle Haltestelle zuverlässig mitteilt. Die Stadt Ulm verfügt an wichtigen Orten über ein gut ausgebautes Blindenleitsystem, findet Schuler – dazu gehören unter anderem die geriffelten Steine am Boden, an denen sich Menschen mit Sehbehinderungen mit einem Stock orientieren können. Manchmal gibt es auch spezielle Vorrichtungen, die auf Knopfdruck ansagen, welcher Bus gerade einfährt. Erfreulich: „Mittlerweile ist auch eine Ampelanlage umgerüstet, die mehrere Menschen mit Sehbehinderungen regelmäßig nutzen.“ Heißt: Kleine Kästen an den Ampelmasten vibrieren bei grünem Licht und bieten so Orientierung beim Überqueren der Straße. Auf Medikamentenpackungen, in Fahrstühlen, an Treppengeländern im Bahnhof: Vielerorts findet sich heutzutage die aufgeprägte Punktschrift. Auch Schulers Schreibtisch in der Arbeitsagentur ist mit einer sogenannten Braille-Zeile ausgestattet, die oberhalb der Tastatur steht. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das Schrift vom Computerbildschirm in Punktschrift darstellt. So lassen sich Inhalte aus Textdateien oder von Websites über die Braille-Zeile ertasten. „Nicht alle Websites sind barrierefrei, es gibt immer wieder Situationen, in denen ich etwas nicht auslesen kann“, erzählt der Beschäftigte der Arbeitsagentur. In solchen Fällen unterstützt seine Arbeitsassistenz, die ihm für eine bestimmte Stundenzahl pro Woche zur Seite steht. Egal ob im beruflichen Umfeld oder im privaten – immer wieder begegnen Schuler Menschen, die unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen. Sein Tipp? „Sprecht die Leute einfach an und fragt!“ Kommunikation sei eben alles. Bemerkenswert: Vor allem bei Menschen mit Migrationshintergrund empfindet Schuler die Hilfsbereitschaft als besonders ausgeprägt. Möglicherweise ein kulturelles Phänomen, vermutet er. Oder weil sie die Erfahrung teilen, einer Minderheit anzugehören und hilflos zu sein. Was Arbeitgebende bedenken sollten, wenn sie Menschen mit Behinderungen einstellen? Zunächst sei es wichtig zu schauen, was die Person benötigt, um barrierefrei arbeiten zu können, betont Schuler. Jeder Mensch und jede Behinderung ist anders. Alwin Schuler Lothar Scherhaufer © BA Ulm (6) FOKUS 21 dbb magazin | Mai 2026
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