Außerdem von großer Bedeutung: die Kolleginnen und Kollegen darauf vorzubereiten, dass jemand kommt, der oder die anders ist. „So räumt man vorab Unsicherheiten aus, die vielleicht bestehen. Und man darf nicht vergessen, dass nicht alle sofort bereit sind, in einem neuen Umfeld offen über die eigene Behinderung zu sprechen.“ Was die Rehaberatung leisten kann „Ganz entscheidend ist, dass wir den Arbeitgebern die Sorge nehmen, sich auf Arbeitnehmer mit Behinderungen einzulassen“, betont auch Lothar Scherhaufer, der ebenfalls bei der BA Ulm beschäftigt ist – allerdings nicht im Arbeitgeberservice, sondern in der Rehaberatung. „Wir bieten eine technische und bauliche Beratung an, um Behörden und Unternehmen mit der barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen zu unterstützen.“ Zudem vermittelt die Agentur das notwendige Wissen über Fördergelder. Scherhaufer ist seit der Kindheit auf einen Rollstuhl angewiesen. In seinem Fall sind es vor allem Treppen und Schwellen, die ihn im Alltag vor Herausforderungen stellen. Als Rehaberater unterstützt er unter anderem junge Menschen, die am Sonderpädagogischen Beratungs- und Bildungszentrum – früher: Förderschule – ihren Abschluss machen. „Mein Job ist es, den Übergang in den Arbeitsmarkt mitzugestalten und Perspektiven aufzuzeigen“, berichtet er. Für die eine kommt eine Ausbildung infrage, für den anderen ist möglicherweise eine Tätigkeit in einer Werkstatt das Richtige, in der das Personal auf besondere Bedürfnisse eingehen kann. Mitunter geht es auch darum, Erwachsene auf neue Möglichkeiten hinzuweisen. Beispielsweise einem Maurer, der wegen eines Rückenleidens seinen Job nicht mehr ausüben kann. Es gibt viele Einschränkungen, die sich erst im Laufe des Berufslebens einstellen – sei es durch Krankheit, einen Unfall oder einen Schicksalsschlag. „Der öffentliche Dienst ist Vorreiter darin, die Weiterbeschäftigung der Betroffenen sicherzustellen“, resümiert Scherhaufer. Sie bekämen bei Bedarf oft neue Aufgaben, denen sie gerecht werden können. Auch Unternehmen in der Region würden, was das betrifft, einen guten Job machen. Doch Tatsache sei auch: Nicht in allen Fällen, zum Beispiel in kleineren Betrieben, findet sich eine Lösung, weil es an Möglichkeiten und Ressourcen fehlt. „Und wer sein ganzes Leben lang Lkw gefahren ist, lässt sich in der Regel nicht von jetzt auf gleich zur Bürokraft umschulen.“ Ein Neustart kann auch der richtige Weg sein Den Beratungsschwerpunkt bilden Arbeitnehmende mit psychischen Erkrankungen, erzählt Scherhaufer. Probleme beim Einstieg und Verbleib im Arbeitsmarkt seien dann häufig ein Thema, etwa wegen Fehlzeiten oder Verhaltensweisen, die Kolleginnen und Kollegen als fehlende Sozialkompetenz wahrnähmen. „Menschen mit psychischen Erkrankungen ecken häufiger an“ – dabei ist Autismus ein Phänomen, das verbreiteter ist, als viele denken. Formal betrachtet handelt es sich nicht um eine psychische Krankheit, sondern um eine Entwicklungsstörung, mit der eine veränderte Informationsverarbeitung im Gehirn und Wahrnehmung einhergehen können. „Aus dem Schulalltag weiß ich, dass es kaum eine Schule ohne Autisten gibt“, berichtet der Rehaberater. Die Bandbreite reiche von wenig auffällig bis hin zu Fällen, die im Umgang schwierig seien. Therapie sei deshalb – auch mit Blick auf psychische Erkrankungen – besonders wichtig, um die Resilienz der Betroffenen zu steigern und Fehlzeiten zu verringern. Es gibt Situationen, in denen ein Neustart nach einer erfolgreichen Therapie der bessere Weg sein kann: „Wenn das Verhältnis zum Arbeitgeber schon zerrüttet ist, lässt es sich schwer kitten. Dann muss man sich das Scheitern eingestehen und sehen, welche neuen Möglichkeiten sich auftun.“ Scherhaufer steht zu den Idealen, die mit der Inklusion einhergehen: „Wo sie leistbar ist und einen positiven Effekt hat, müssen wir sie umsetzen“, unterstreicht er. Aber insbesondere für den Schulbetrieb und die Berufswelt gilt: „Es muss auch Räume geben, in denen wir auf besondere Bedürfnisse eingehen können. Alwin Schuler bedient seinen PC über eine Braille-Zeile. 22 FOKUS dbb magazin | Mai 2026
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