JOB-PORTRAIT Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen Familien mit Kindern finanziell entlasten Jeremy ist Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Er kümmert sich um die Auszahlung des Kindergelds – im Fokus stehen Spezialfälle mit Inklusionsbedarf. Grundsätzlich zahlt der Staat Kindergeld bis zum 18. Lebensjahr. Eltern, deren Kinder sich in Ausbildung oder Studium befinden, können dies bis zum 25. Lebensjahr verlängern. „Und für Menschen mit Behinderung gibt es keine Altersgrenze“, sagt Jeremy. Wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichen, unterstützt der Staat unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Kindergeld – dies kann der Fall sein, wenn mit einer Behinderung hohe Kosten einhergehen, zum Beispiel für Pflege oder eine besondere Ernährung. „Damit helfen wir Familien und sorgen dafür, dass Inklusion stattfinden kann.“ Jeremy Frank hat bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen gemacht und arbeitet für die Familienkasse. Sie ist Teil der BA und unter anderem für die Auszahlung des Kindergelds zuständig. Sein Dienstort: Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Sein Schwerpunkt: die Bearbeitung von Fällen, die Menschen mit Behinderung betreffen. Erst introvertiert, dann selbstbewusst Zurück ins Jahr 2017. Nach dem mittleren Schulabschluss steht für Jeremy die Frage im Raum, welchen Berufsweg er einschlagen soll. Er hat Praktika im Bankwesen absolviert und denkt darüber nach, in die Ausbildung zum Bankkaufmann zu starten. Die Berufsberaterin, mit der er sich austauscht, schlägt vor, dass er sich auch im öffentlichen Dienst umschauen könne. Oder direkt bei der BA. „Irgendwie hat das auf mich einen guten Eindruck gemacht, die Atmosphäre war sehr angenehm, das Bauchgefühl hat gepasst.“ Jeremy lässt Taten folgen, bewirbt sich in Magdeburg auf die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen und bekommt den Zuschlag. Rückblickend beschreibt er seinen damaligen Charakter als introvertiert – mit Blick auf heute kommt er zu einem anderen Urteil: „Die Ausbildung hat viel aus mir herausgeholt, ich bin viel selbstbewusster geworden.“ Denn ohne selbstbewusste Kommunikation geht es nicht. In Lehrgängen, die in den Bildungs- und Tagungsstätten der BA stattfinden, müssen die Auszubildenden ein Planspiel absolvieren. Jede Gruppe verkörpert einen Akteur, beispielsweise das Rathaus, eine Behörde und eine Bürgerinitiative. Ziel des Ganzen: zu lernen, wie die einzelnen Zahnräder in der Gesellschaft ineinandergreifen, und Probleme nachhaltig im Dialog zu lösen. Praktische Erfahrungen sammeln die Auszubildenden direkt in den Dienststellen der BA, wo sie im Tagesgeschäft mitarbeiten. Im Servicecenter bekommt es Jeremy mit den Anliegen der Menschen zu tun. „Jeder Fall ist anders, alle haben ihr Päckchen zu tragen, die Geschichten dahinter haben mich interessiert. Das hat sich bis heute nicht geändert.“ Ebenfalls auf dem Lehrplan: Rollenspiele. „Ich glaube, dass ich mich immer anders verhalten habe, als ich es in der Realität getan hätte, ein Fan bin ich nicht geworden“, erzählt der 25-Jährige und lacht. „Aber klar ist auch, dass mich die Rollenspiele weitergebracht haben.“ Auch die Abschlussprüfung – wie könnte es anders sein – besteht zum Teil aus einem Rollenspiel. Ein Prüfer mimt einen Kunden, dessen Fall nicht ganz einfach ist. Er fordert das Wissen und die sozialen Kompetenzen der Prüflinge bewusst heraus. Vom Servicecenter zur Familienkasse Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung sammelt Jeremy, der sich in der Gewerkschaft Arbeit und Soziales (vbba) engagiert, erste berufliche Erfahrungen in der telefonischen Beratung der Arbeitsagentur, zuletzt auch bei der Familienkasse. Alles, was er in der Theorie gelernt hat, kommt nun zur praktischen Anwendung. Eltern, die ein geringes Einkommen haben, informiert er über den Kinderzuschlag, der sich zusätzlich zum Kindergeld beantragen lässt. Und Eltern, die sich scheiden lassen, erklärt er, dass sich das Kindergeld nicht aufteilen lässt. Es wird an den Elternteil © privat 24 FOKUS dbb magazin | Mai 2026
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