überwiesen, wo sich das Kind hauptsächlich aufhält. Können sich die Eltern nicht einigen, entscheidet das Familiengericht. Schließlich folgt der Wechsel in ein Team bei der Familienkasse, das sich um besonders schützenswerte Kindergeldfälle kümmert, darunter Kinder mit Behinderung. „Hinter jeder Fallnummer stehen Existenzen“, unterstreicht Jeremy. Wie viel Kraft es mitunter kosten kann, alle Leistungen zu beantragen, weiß er aus persönlicher Erfahrung. In seinem Umfeld sind Eltern, die Kinder mit einem Pflegegrad großziehen. Abhängig vom Fall, den er gerade betreut, greift er eher mal zum Telefon, anstatt einen Brief zu schreiben. Beispielsweise, wenn es um fehlende Nachweise geht. „Viele Betroffene sind für das persönliche Gespräch sehr dankbar. Durch den direkten Kontakt helfe ich den Familien, den Überblick zu behalten.“ Einmal erhält der Sachbearbeiter einen Umschlag, auf dem Briefpapier ist nur ein Kussmund als Dankeschön für die Unterstützung. Und einmal kommt – um die Weihnachtszeit – ein Umschlag mit einer leeren Weihnachtskarte in der Familienkasse an. „Wir haben die Karte dann beschrieben, die guten Wünsche des Teams übermittelt und wieder zurückgeschickt.“ Welche drei Charaktereigenschaften Jeremy im Job für besonders wichtig hält? An erster Stelle steht Empathie, um sich in die Menschen hineinzuversetzen. An zweiter die Fähigkeit, sich flexibel auf die einzelnen Fälle einzustellen. „Und an dritter Stelle Anpassungsfähigkeit. Denn nichts ist so beständig wie der Wandel“ – im Job geht es nicht zuletzt darum, immer die aktuellen Gesetze anzuwenden. „Seitdem ich mit der Ausbildung fertig bin, hat sich bereits viel verändert.“ cdi Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung mitbringen, wie lange dauert sie und wo findet sie statt? In der Regel ist der mittlere Schulabschluss erforderlich. In Vollzeit dauert die Ausbildung drei Jahre. Schwerpunkt in der Ausbildung sind rechtliche Grundlagen, vor allem das Zweite und Dritte Sozialgesetzbuch (SGB II und SGB III). Hinzu kommen unter anderem Kommunikationsstrategien, in der Berufsschule die Fächer Politik, Wirtschaft, Deutsch und Englisch. Die Ausbildung findet direkt in den Arbeitsagenturen und in den Berufsschulen statt. Außerdem gibt es Lehrgänge in Bildungs- und Tagungsstätten der Bundesagentur für Arbeit, die jeweils eine bestimmte Region abdecken. Wer entsprechende Leistungen nachweist, kann auch ein Praktikum im Ausland absolvieren. Verdienst und Karrierechancen Für Beschäftigte bei der Bundesagentur für Arbeit gibt es einen eigenen Tarifvertrag. Je niedriger die Zahl der Entgeltgruppe, desto höher das Entgelt – anders als bei anderen Entgelttabellen für den öffentlichen Dienst, wo es sich umgekehrt verhält. Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen starten in der Regel mit TE V, Stufe 2 (TE steht für Tätigkeitsebene). Vermittlung, Beratung, Leistungsgewährung – und das beim Jobcenter, bei der Arbeitsagentur oder der Familienkasse. Was die inhaltliche Arbeit betrifft, gibt es viele Optionen. Wer Karriere machen möchte, kann Führungspositionen übernehmen. Und alle, die ein duales Studium draufsatteln wollen, können dies direkt bei der Bundesagentur für Arbeit absolvieren. Hochschulstandorte sind Mannheim und Schwerin. Weitere Informationen gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit. Der Weg in den Job Behindertengleichstellungsgesetz Barrierefreiheit ist kein freiwilliger Zusatz Das Bundeskabinett hat Änderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) beschlossen. Aus Sicht des dbb gibt es noch viel zu tun. Die gesetzliche Änderung ist ein erster Schritt auf dem langen Weg, unser Land in allen wichtigen Bereichen barrierefrei zu gestalten“, sagte Maik Wagner, stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, am 12. Februar 2026 in Berlin. „Mit der Novelle des BGG setzt die Bundesregierung ein klares Signal: Barrierefreiheit ist kein freiwilliger Zusatz, sondern eine verbindliche Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe.“ Das neue Gesetz verpflichtet den Staat, alle Bestandsbauten des Bundes bis 2045 barrierefrei umzubauen. Außerdem rückt es die Verwendung Leichter Sprache stärker in den Fokus. Wagner: „Barrierefreiheit bedeutet weit mehr als Fahrgastaufzüge oder behindertengerechte Toiletten. Die Änderungen greifen diesen Gedanken zumindest teilweise auf – etwa mit der stärkeren Nutzung Leichter Sprache.“ Die Gesetzesnovelle betrifft primär die Bundesverwaltung, fordert aber auch den privaten Sektor heraus: Unternehmen müssen künftig angemessene Vorkehrungen treffen, damit ihre Waren und Dienstleistungen für alle zugänglich sind. Der dbb hat sich früh in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht und war mit einer Delegation an vorbereitenden Gesprächen beteiligt. Er verbindet mit den beschlossenen Änderungen nicht nur Hoffnung, sondern auch klare Forderungen: „Nach Jahren des Stillstands muss die Inklusionspolitik wieder Fahrt aufnehmen“, betonte Wagner. _ © Unsplash.com/Getty Images FOKUS 25 dbb magazin | Mai 2026
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